Pornoskandal Schleife: Polizei ermittelt, Stiftung stoppt Förderung
Theaterprojekt zeigt Minderjährigen Pornos – Stiftung unter Druck
Von Matthias Klose11 Aufrufe
Der Fall aus Schleife hat ein Kernproblem sächsischer Bildungspolitik sichtbar gemacht, das bislang bequem im Ungefähren blieb: Wer kontrolliert eigentlich, was externe Akteure in Schulklassen treiben? Die Antwort, die sich aus diesem Vorfall ergibt, lautet: im Zweifel niemand. Publik gemacht hat den Fall die Junge Freiheit, die als erstes Medium mit betroffenen Eltern und Schülern gesprochen hatte.
Im März 2026, im Rahmen einer Projektwoche an der Oberschule Schleife im Landkreis Görlitz, wurden Schülerinnen und Schülern einer neunten Klasse pornografische Bilder gezeigt. Die Jugendlichen waren 14 und 15 Jahre alt. Verantwortlich waren zwei Personen eines externen Theaterprojekts namens „Mut", die im Auftrag des Vereins „Mutige Jugendliche in Ostsachsen finden Perspektiven" tätig waren und finanzielle Förderung von der Amadeu-Antonio-Stiftung erhielten. Bereits nach dem ersten von fünf geplanten Projekttagen reagierten Eltern, erstatteten Anzeige, und Schulleiter Jan Rehor beendete das Projekt. Jetzt ermittelt der Revierkriminaldienst Weißwasser wegen des Verdachts der Verbreitung pornografischer Inhalte an Minderjährige gemäß Paragraph 184 des Strafgesetzbuches.
Das Theaterprojekt hatte sich beim Schulleiter im Januar 2026 per E-Mail beworben, thematisch ausgerichtet auf „Mut- und Hoffnungslosigkeit unter Jugendlichen angesichts aktueller Krisen". Rehor willigte ein. Er hatte, nach eigener Aussage gegenüber MDR und Sächsischer Zeitung, keine Veranlassung gesehen, daran zu zweifeln, zumal er aus früheren Zusammenarbeiten mit Projekten aus dem Umfeld der Amadeu-Antonio-Stiftung positive Erfahrungen kannte. Eine inhaltliche Absprache mit den Eltern, wie sie das sächsische Schulgesetz bei Themen der Sexualerziehung ausdrücklich vorsieht, fand nicht statt.
Die beiden Projektleiterinnen ließen die 26 Neuntklässler nach Berichten von Eltern zunächst Übungen im Wald absolvieren und anschließend durch das Klassenzimmer rennen. Dann verteilten sie Inhalte aus Rucksäcken auf dem Boden, darunter Seiten aus dem Schweizer Magazin „Queer Sex – Whatever The Fuck You Want!", das explizite Darstellungen homosexueller Sexualpraktiken enthält und mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren versehen ist. Ebenfalls auf dem Boden lagen Flugblätter mit politischen Parolen gegen die AfD.
Ein Kind informierte noch am Abend des ersten Projekttags seine Eltern. Die reagierten umgehend, wandten sich an die Schulleitung, und Rehor stoppte das Projekt. In einem Brief an die Elternschaft bestätigte er, den Projektleiterinnen fristlos gekündigt zu haben.
Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat sich mittlerweile öffentlich erklärt. In einer Stellungnahme auf ihrer Website räumt sie ein, dass der Workshop von den „Falken Berlin" durchgeführt und von ihr finanziell unterstützt wurde. Die Förderung sei gestoppt worden, man entschuldige sich bei den betroffenen Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern. Zugleich betont die Stiftung, keine Inhalte vorgegeben und keine Materialien freigegeben zu haben.
Das klingt nach einer plausiblen Abgrenzung. Es ist aber auch eine bemerkenswert bequeme. Wer Bildungsprojekte an Schulen fördert und dabei seinen Namen als Qualitätsmerkmal in die Bewerbungsunterlagen schreiben lässt, trägt eine Mitverantwortung für das, was unter diesem Namen passiert. Die Frage, ob die Stiftung vor Beginn des Projekts prüfte, was den Schülerinnen und Schülern konkret zugemutet werden würde, beantwortet die Stellungnahme nicht. Dass das Projekt zwischenzeitlich von der eigenen Förderbilanzliste verschwunden war, ehe es durch einen Archiv-Snapshot wieder rekonstruiert werden konnte, ist für sich genommen kein gutes Zeichen.
Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) nannte den Vorfall einen „ungeheuerlichen Vorgang" und würdigte die schnelle Reaktion der Schulleitung. Das Landesamt für Schule und Bildung prüft nun, ob gegen das sächsische Schulgesetz verstoßen wurde. Ein Sprecher des Amtes erklärte, Lehrkräften könne kein Vorwurf gemacht werden, weil die Aufsichtspflicht auf pädagogische Fachkräfte übertragen werden dürfe, eine der beiden Projektleiterinnen sei ausgebildete Theaterpädagogin gewesen.
Das ist juristisch möglicherweise korrekt und ändert an der Substanz des Problems trotzdem nichts. Die Übertragung von Aufsicht setzt voraus, dass die übertragenden Stellen wissen, wem sie diese Aufsicht anvertrauen und zu welchem Zweck. Hier wusste die Schule offenbar nicht, was inhaltlich auf die Schülerinnen und Schüler zukam. Das ist das eigentliche Versagen.
Die AfD-Fraktion im sächsischen Landtag hat für die Ausschusssitzung am 22. April Auskunft von Kultusminister Clemens angefordert. Unter anderem will die Fraktion wissen, an wie vielen weiteren Schulen ähnliche Projekte stattfanden. Das ist eine legitime Frage, die weit über das parteipolitische Interesse hinausgeht. Denn wenn ein Projekt wie dieses über Monate an verschiedenen Schulen angeboten werden konnte, ohne dass irgendwo eine inhaltliche Überprüfung stattfand, ist das kein Einzelfall, das ist ein Systemfehler.
Man muss nicht in kulturkämpferische Rhetorik verfallen, um diesen Fall klar zu benennen. Hier wurden Minderjährige, denen keine Wahl gelassen wurde, mit pornografischem Material konfrontiert, das für Erwachsene bestimmt ist. Das ist ein strafrechtlich relevanter Sachverhalt. Die Eltern haben richtig reagiert, als sie Strafanzeige erstatteten.
Darüber hinaus zeigt der Fall, wie wenig Kontrolle Schulen tatsächlich über externe Akteure ausüben, die im Schulalltag tätig werden. Elternrechte, Informationspflichten, Inhaltsprüfungen, all das existiert auf dem Papier. In Schleife hat es nicht funktioniert. Und solange nicht geklärt ist, wie viele andere Schulen ähnliche Angebote erhalten haben, ist die Beruhigung verfrüht.
Der Revierkriminaldienst Weißwasser ermittelt. Das Kultusministerium prüft. Der Gemeinderat Schleife hat sich mit dem Fall befasst. Was jetzt folgen muss, ist keine symbolische Aufarbeitung, sondern verbindliche Konsequenzen: für die Prüfpflichten bei externen Schulprojekten, für die Informationsrechte der Eltern und für die Frage, unter welchen Bedingungen Stiftungsförderung und politisch motivierte Bildungsarbeit Zugang zu Schulklassen erhalten dürfen.
Quellen
Junge Freiheit, Frank Hauke, 14. April 2026: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2026/eltern-in-aufruhr-vorzeigeschule-praesentiert-kindern-homo-pornos/
Junge Freiheit, Folgebericht, April 2026: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2026/jf-enthuellung-zu-pornos-in-schule-ministerium-prueft-gesetzesverstoesse/
dpa/sn via t-online, 15. April 2026: https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/gesellschaft/id_101213726/oberschule-schleife-erotik-skandal-in-9-klasse-befremdlich-.html
Amadeu-Antonio-Stiftung, Stellungnahme, April 2026: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/stellungnahme-zu-einem-workshop-an-einer-schule-in-sachsen-163571/
nius.de, April 2026: https://nius.de/gesellschaft/kursleiterinnen-amadeu-antonio-stiftung-zeigten-neuntklaesslern-porno-fotos
Achgut.com, Stephan Kloss, 15. April 2026: https://www.achgut.com/artikel/antonio_amadeo_stiftung_foerderte_schul_porno_aktivisten
